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Fun Factory – Semilino / Testbericht

1 Der Semilino ist Teil der Deluxe-Reihe von Fun Factory. Diese Reihe besteht aus wiederaufladbaren, wasserdichten Silikon – Vibratoren inklusive fünf Mini-Vibratoren (Semilino, Pearly, Amorino, Flora, Dolly Bi), die ca. 17 cm lang sind und über ein Bedienteil verfügen, dessen ein wenig altherrenopelhafte  Farbe einen „wertigen Champagnerton“ repräsentieren soll.

Akku, Vibration, Handhabung

In den Vibratoren dieser Reihe, so verlautbart FF auf ihrer Seite, ist ein „neuer, starker, leiser und langlebiger Motor“ verbaut, der hier zusammen mit dem Äußeren und dem Akku auf den Prüfstand kommen soll.

Der Akku wird über Fun Factorys Click’n’Charge-System geladen. Die erste gute Nachricht ist: man muss das Ladekabel nicht, wie bislang bei Fun Factory üblich, dazukaufen, sondern es liegt dem Vibrator bei. Allerdings in der abgespeckten USB-Variante, für die man entweder einen Computer oder einen Steckdosenadapter braucht. Da dies aber offenbar ein allgemeiner Trend zu sein scheint, ist es auf längere Sicht ohnehin ratsam, sich einen solchen Adapter zuzulegen.

Und die zweite gute Nachricht: der Magnetplug schließt kraftvoll den Kontakt mit den zwei Auflade-Nubsis an der Basis des Vibrators und hält diesen Kontakt auch ohne Weiteres, was bei früheren Click’n’Charge-Konstruktionen manchmal etwas heikel war.

Die Handhabung ist durch das verhältnismäßig große Bedienteil ergonomisch, die Bedienung ist einfach und komfortabel, und die Knöpfe sprechen zuverlässig an. Es gibt einen größeren roten Knopf zum An- und Ausschalten und einen Plus- und einen Minus-Knopf zum Zappen durch das Menü.

Dieses besteht aus 6 Stufen konstanter Vibration, 4 regelmäßigen Intervallprogrammen unterschiedlicher Frequenz – von breiten Wellen bis hin zu maschinengewehrsalvenartigen2 Vibrationen und 2 weitere Intervallprogramme, die sich erfolgreich einer näheren Beschreibung entziehen.

Rätselhafterweise steigt der Vibi beim Anschalten nicht etwa auf der niedrigsten Stufe ein, sondern bereits auf der Stufe Drei, so dass man zweimal den Minus-Knopf drücken muss, wenn man es so ruhig wie möglich angehen lassen will.

Ist der Semilino tatsächlich leise?

Semilino, Fun factory, DraufsichtIch sage mit Bedacht nicht „ruhig“, sondern „so ruhig wie möglich“ – denn das ist ein Unterschied! Wirklich ruhig ist der Semilino nämlich mitnichten – es sei denn natürlich, man schaltet ihn aus. Vielmehr ist die Vibration bereits auf der geringsten Intensitätsstufe schon ziemlich heftig, so dass dies definitiv kein Vibrator zum Einschmeicheln ist. Aber dafür hat man ja i.d.R. Hände und/oder ein geliebtes Wesen.

Und er ist ziemlich laut. Was zu einem gut Teil am Motor selbst liegt, aber auch an irgendeinem Schnarren, das ich in dem wertigen Champus-ABS verortet habe und das sich mit zunehmender Intensität ins Unangenehme steigert. Es wird etwas leiser, je fester ich den Griff umklammere. Da ich aber einen Vibrator beim Gebrauch eher locker halte, schnarrt es natürlich die ganze Zeit vor sich hin und mutet einigermaßen unsexy an. Der Semilino ist nicht so laut, dass man ihn ohne intensives Lauschen durch die geschlossene Tür hörte, aber mehr an Diskretion darf man hier nicht erwarten.

Ich bin inzwischen sehr verwöhnt, was Vibratoren angeht, und weiß vielleicht gar nicht mehr, wie schlimm es sonst noch werden kann. Aber selbst im direkten Vergleich mit meinem Urururalt-Meany von Fun Factory schneidet der Semilino bei vergleichbarer Intensität nicht sonderlich gut ab. Er ist etwa genauso laut, aber während der Meany ein angenehm tiefes, ruhiges Brummen von sich gibt, klingt der Semilino sehr hektisch und hochtourig und weist dabei eine verblüffende Ähnlichkeit zu einer Haarschneidemaschine auf. Und das bereits auf der dritten Stufe.

Also: leise ist dieser Vibrator definitiv nicht!

Ist er leistungsstark?

Ja, aber…

die Vibrationen fühlen sich genau so an, wie sie sich anhören: hektisch und hochtourig – was leider nicht mein Fall ist. Sie fühlen sich zwar nicht wirklich schwach an, im Gegenteil, aber bringen mir trotzdem nicht viel, weil ich es grob, also mit großem Ausschlag brauche, und die Vibrationen des Semilino sind eher ein Summen denn ein Rumpeln. Als Summen wiederum ist es aber recht kräftig, eher ein Britzeln, das ganz schnell die Hand zum kribbeln bringt.3 Und nachdem ich – äußerst geduldig und reichlich aufwendig, aber immerhin erfolgreich! – die Klitoris stimuliert habe, ist meine Vulva erst einmal oberflächlich betäubt.

 

Je grobschlägiger Vibrationen sind, umso weniger tritt dieses Taubheitsphänomen auf, so meine Erfahrung. Und ebenfalls meinen Erfahrungen entstammt die Erkenntnis, dass ich mit gröberen Vibrationen schneller, heftiger und zuverlässiger zum Erfolg komme. Aber obwohl ich schon oft gelesen habe, dass es Anderen in dieser Hinsicht ähnlich geht wie mir, unterscheiden sich Frauen in diesem Punkt sicherlich stärker voneinander, als ich mir so vorstellen kann, und manch eine mag mit den eher summenden oder britzeligen Vibrationen ihre besten Erfahrungen gemacht haben.

Also: für Fans feinschlägiger aber kräftiger, mithin britzeliger Vibrationen in weichem Silikon ist der Vibrator zu empfehlen. Für Leute wie mich, die eher auf sattes Rumpeln stehen, leider überhaupt nicht.

Klitorale Stimulation

Fun factory, semilino, von unten gesehenUm mit dem Semilino einen klitoralen Orgasmus zu erreichen, muss ich anständig nachhelfen, indem ich mit der Oberseite des Vibis über die Eichel und den Schaft rubble. Allein durch die Vibration kann ich nicht kommen. Das liegt nicht nur an der von mir verschmähten Britzeligkeit, sondern auch an der weichen Silikonschicht, die vieles davon schon bei geringem Andruck abdämpft. Und zu guter Letzt auch daran, dass ich klitoral gesehen vielleicht kein allzu leichter Fall bin.

Vaginale Stimulation

Überraschend angenehm wirken sich die Vibrationen beim vaginalen Gebrauch aus. Hier mag ich zwar direkt in der Vagina manchmal grobe Vibrationen ganz gern,4 verschmähe sie aber bislang am Scheideneingang. Die Vibration des Semilino sitzt zwar in den unteren zwei Dritteln des Schaftes und somit genau dort, am Scheideneingang, aber das Kribbeln ist nicht so aufdringlich, dass es die anderen Reize so stark übertönt, wie es grobe Vibration bei mir tut. Man spürt dabei noch das Eindringen und die Struktur des Vibrators sehr gut. Und die Struktur ist überhaupt das Beste an diesem Vibrator! Sie ist deutlich am Schambein spürbar, aber aufgrund des etwas nachgiebigen Silikons und der geschmeidigen Oberfläche trotzdem sanft und angenehm.

Die „leicht gebogene Form“ des Semilino soll sich „perfekt zur Stimulierung des G-Punktes“ eignen. Das ist, mit Verlaub, völliger Quatsch, wie man unschwer erkennen kann. Der Semilino ist nicht leicht, sondern ganz offensichtlich so gut wie gar nicht gebogen, beinahe kerzengerade. Da sich aber selbst eine Kerze als G-Punkt-Toy benutzen lässt, wenn man es nur geschickt anstellt, kann man natürlich auch mit dem Semilino den G-Punkt bespielen, wobei das längere Bedienteil sehr hilfreich ist. Die fehlende Kurve kompensiere ich durch Zurückneigen des Vibrators. Dabei mildere ich unweigerlich den Druck der Struktur auf den Scheideneingang etwas ab, was schade ist, aber dennoch sind die Rippen noch gut spürbar und schnuppeln sanft stimulierend daran und am G-Punkt entlang. Dabei ist dann die Vibration, die ich nach einiger Zeit hinzunehme, ein nettes Gimmick, das die Stimulation intensiviert, wenn es in Richtung Finale geht.

Die Designerin hat glücklicherweise beachtet, dass eine Struktur auf der Unterseite eines Dildos in den meisten Fällen unnötig, wenn nicht gar störend ist. So ist der Semilino dort ganz glatt. Aufgrund seiner schmal zulaufenden, eichelförmigen Spitze ist es leicht den Vibrator einzuführen und weil er zudem recht schlank ist, macht sich der Semilino beim schlichten mehr oder weniger behutsamen Ficken sehr gut als Warm-up-Dildo.

Aber da man mit nur 10 cm, die der Vibrator bis zu dem Möchtegern-Klitoris-Nubsi misst, nicht weit kommt, ist der Griff bald ein wenig verschmaddert-schlüpfrig, und der Gedanke bei fortschreitendem Spiel sieht dann in etwa so aus: “Zu kurz! Zu kurz!! Zu kurz!!! warum ist das verdammte Ding nur so kurz!?!?!?”

Handtaschentauglichkeit

fun factory, semilino, seitenansichtNun, weil es ein handtaschentauglicher Mini-Vibrator sein soll. Irgendwer hat den Leuten in der Fun Factory offenbar den Floh ins Ohr gesetzt, sowas brauche die Frau von heute und so glauben sie, den allgemeinen Trend zur Miniaturisierung auch auf Vibratoren anwenden zu müssen. Aber genauso wie eine Laptop-Tastatur unhandlich wird, wenn sie ein bestimmtes Maß unterschreitet, wird ein Vibrator dann halt schnell mal… tja: unmösig. Ich persönlich kann nur sagen: Wenn es mich bequem und effektiv zum Orgasmus bringt, nehme ich auch gern ganz andere Kaliber mit auf die Reise und sooo riesig sind selbst große Vibratoren nicht, dass man sie nicht noch irgendwie ins Gepäck bekommt. Ihr seht, ich stehe diesem Miniatur-Trend sehr skeptisch gegenüber.

Und Hand aufs Herz: wie oft und wozu braucht man denn tatsächlich einen Vibrator für die Handtasche? Mag sein, dass ich phantasielos bin, aber mir hat so etwas bislang noch nie gefehlt. Immerhin, das muss noch hervorgehoben werden: die kleinen Deluxe-Vibis verfügen über eine prima Tastensperre.

 

Der Semilino in Kürze

Fun Factory, semilino, testbericht, usb, akku, verpackungIch denke, dass man mit dem Semilino nicht viel falsch machen kann, aber auch nichts so richtig richtig. Zwar kann ich mir vorstellen, dass die Vibration so mancher Klitoris wesentlich besser bekommt als meiner. Und die Struktur ist wirklich etwas Feines – auch ganz ohne Vibration. Manchen Leuten wird er vielleicht nicht einmal zu kurz sein.

Aber der Semilino ist gemessen an meinen Bedürfnissen nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Vibration ist stärker als bei manch anderem Vibrator, aber dennoch für meinen Geschmack zu hochtourig, zu feinschlägig-britzelig und viel zu laut. Mit seinen knapp 10 cm einführbarer Länge ist er für mich schlichtweg zu kurz und die Kurve ist – gelinde gesagt – zu wenig ausgeprägt.

Solch kleine Möchtegern-Allround-Spielzeuglein sind m.E. etwas für Frauen, die noch keine Ahnung haben von dem hungrigen, wilden Tier, das in ihnen schlummert. Diejenigen allerdings, die es nicht sattbekommen, nachdem sie es mit dem Semilino angefüttert haben – und das sind vermutlich nicht wenige – kaufen dann bestimmt noch eines der ausgewachsenen Modelle (siehe Alternativen). Ich plädiere dafür, sich die Mini-Deluxe-Vorspeise zu sparen und gleich von Anfang an etwas Angemessenes zu kaufen! Auch als Anfänger/in muss man nicht unbedingt auf kleines Spielzeug setzen – die u.g. Alternativen z.B. sind auf den ersten 10 cm auch nicht dicker als unser Semilino und es zwingt einen i.d.R. niemand, sich gleich den ganzen Schaft einzuverleiben.5

Aber der Mini mag sicherlich auch für manche Frauen genau das Richtige sein: für diejenigen z.B., die tatsächlich ein sehr genügsames, möglichst taubes, handtaschentaugliches, champagnerfarbenes Tierchen in sich tragen.

Pro: Wasserdicht, Akkubetrieben, Tastensperre, guter Akku, lange Standby-Dauer, sehr angenehm stimulierende Struktur

Contra: sicherlich für viele zu kurz, Vibrationen sind feinschlägig-britzelig, und er ist viel zu laut, erstrecht für einen Vibrator mit „leisem Motor“.

Material: Silikon, ABS

Maße: Länge insgesamt: 17,3 cm; Länge Silikon-Teil: ca. 12 cm – davon einführbar: ca. 9,5 cm; Durchmesser (Schaft): ca. 3,3 cm

Gleitgel: wasserbasiert

Reinigung und Pflege: Reinigung mit warmem Wasser und Spüli/Seife; evtl. eine weiche Bürste für den Spalt zwischen ABS und Silikon; Desinfektion mit Toycleaner,  staubfreie Aufbewahrung in einer Tüte ist empfehlenswert.

Verpackung und Lieferumfang: Fun Factory verzichtet bei der Verpackung komplett auf Kunststoff! Sehr gut!! Hübscher, mit wenig Aufwand diskretisierbarer metallic-hellbrauner – pardon, hüstel: champagnerfarbener Pappkarton mit rotem Innenleben und FF-Logo in einem nicht ganz so diskreten, aber angemessenen Pappschuber mit Produkt- und ‘ästhetischer’ Dame-im-Dessous-Fotografie; Anwendungs- und Pflegehinweise; inkl. USB-Ladekabel

Farboptionen: Vitamin (also irgendwas zwischen rosa und orange), Schwarz

Fun Factorys Alternativen zum Semilino

Die Struktur des Semilino ist, wie gesagt, sehr schön, kommt aber mit Sicherheit besser zur Geltung, wenn sich der Gute erst einmal ausgewachsen und den Buckel ein wenig krumm gedient hat. Wer darauf nicht warten will, kauft lieber gleich den großen Bruder, den Semirealistic den ich wärmstens empfehlen würde. Der kostet dasselbe wie der Semilino, man kann mit ihm ebenfalls auf der Klitoris herumrubbeln und vaginal fühlt er sich für viele Frauen wahrscheinlich besser an und bringt aufgrund der Länge und Kurve sicherlich zuverlässiger zum Ziel. Voraussetzung, um die wesentlich! gröbere Vibration genießen zu können, ist allerdings, dass man mit Batteriebetrieb leben kann, aber es gibt prima Akkus, mit denen man verhindern kann, zum Umweltschwein zu werden6.

Wer besonderen Wert auf einen verbauten Akku legt, kann mit einem etwas tieferem Griff ins Portemonnaie der Deluxe G4-Reihe den Vorzug geben – und hier kommt ganz offensichtlich der Tiger als Semilino-Ersatz in Betracht. Die Struktur finde ich nicht ganz so gelungen, aber die Vibrationen sind, wie auch beim Semirealistic nach meinem Geschmack und die Kraft ist wirklich beachtlich.

Wer nicht allzu scharf auf Vibrationen ist, aber auf einen Motor im Sextoy nicht verzichten kann oder will, kann den Pulsator Stronic Drei ins Auge fassen.

 

Vielen Dank an Fun Factory, die mir den Semilino für diesen Testbericht zur Verfügung gestellt hat!

  1. Die Fotos zum Testbericht entstanden unter Verwendung des ganz entzückenden Büchleins “Findet mich das Glück?” von Peter Fischli und David Weiss  Zurück zum Text
  2. ist Deutsch nicht eine schöne Sprache!? Es lebe das Kompositum!  Zurück zum Text
  3. Es ist ja reichlich schwierig, die Qualität einer Vibration zu erläutern. Ich werde ganz bald einen anschaulichen Vergleich verschiedener Vibrationen im Wasser liefern.  Zurück zum Text
  4. dazu muss die Vibration im Kopf des Vibrators sitzen, wie z.B. beim Lelo Mona, nicht jedoch nahe am Griffteil wie bei den FF-Vibis  Zurück zum Text
  5. Wenn man halbwegs sicher ist, daß man in den nächsen Wochen oder Monaten einen familientauglichen Kombi braucht, kauft man sich ja selbst als Fahranfänger nicht erstmal einen Smart. Oder? – na also!  Zurück zum Text
  6. z.B. eneloop von Sanyo  Zurück zum Text

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