Oh! Rabbit, Vibrator, Lovehoney, Erfahrungen

Lovehoney: Oh! Rabbit / Testbericht

Kaninchen, die auf Perlen starren

In einer Folge von „Sex and the City“ besorgt ein Vibrator, der Lovehoneys Oh! Rabbit ziemlich ähnlich sieht, es gleich zweien von zwei Frauen auf offenbar äußerst befriedigende Weise: zuverlässig und allem Anschein nach ohne irgendwelche Komplikationen. Aber nur der Fiktion ist man geneigt, so eine Unwahrscheinlichkeit durchgehen zu lassen – die Wirklichkeit im Rabbitland ist rauh und zumeist ernüchternd. Denn zu unterschiedlich sind Frauen gebaut und zu differenziert ihre Bedürfnisse, als dass so etwas wie in der Serie mehr sein könnte als ein leider allzu seltender Zufall. Gerade Mehrfach-Stimulations-Geräte bieten nämlich ein ziemlich hohes Risiko, dass mindestens eine der möglichen Funktionen gründlich abschmiert.

Ich spreche aus Erfahrung, denn ich habe jetzt bereits vier Rabbits1 und zwei andere Doppelstimulatoren ausprobiert, von denen nur einer richtig passte. Bei den anderen Vibratoren passte immer der Klitoris-Stimulator nicht optimal oder überhaupt nicht zu meiner Anatomie.

Ein weiteres Problem, abgesehen von der grundsätzlich schon suboptimalen Passform, war, dass die meisten dieser Vibratoren über einen unbeweglichen Vaginal-Teil verfügten, in welchem ein Vibrator verbaut war. Da mir nämlich in der Vagina Vibration allein kaum etwas bringt, sondern ich vor allem auf alternierenden Druck auf die erogenen Zonen reagiere, musste ich den eingeführten Teil bewegen, wodurch ein mitunter mühsam erarbeiteter Klitoris-Kontakt meist verloren ging oder zumindest erschwert wurde.

Klitorishäschen und PerlenkarussellNeugierig war ich deshalb schon immer auf so einen superklassischen Rotations-Rabbit mit einem langohrigen Kaninchen, das am Schaft klebt und scheinbar endlos fasziniert auf ein kleines Perlenkarussell starrt. Denn hier wird einem doch offenbar die Arbeit abgenommen: einfach rein damit, anschalten und abwarten.

Warum aber hatte ich ausgerechnet so etwas noch nicht? Nun, zum einen hatte ich wegen meiner ernüchternden Passform-Erfahrungen Abstand von Dual-Stimulation-Vibratoren genommen. Zum Anderen sind diese Dinger i.d.R. aus minderwertigen Materialien und schlimmstenfalls aus Jelly.2 Das verleiht ihnen zwar einerseits einen hinreißend trashigen Transparent-Look, kommt mir aber andererseits nicht in die Vagina.

Mein Interesse flammte aber letztens wieder auf, als Lovehoney mir anbot, mir zwei Produkte meiner Wahl von ihrer Hausmarke zur Verfügung zu stellen. Da fand ich nämlich neben dem Jessica-(Jelly-)Rabbit mit dem Oh! Rabbit auch eine Silikon-Variante. Die sieht zwar leider nicht ganz so fetzig aus, aber dafür ist sie aus einem porenlosen und weichmacherfreien Material.

Maße, Bedienung und noch mehr Technik-Kram

Als Energiequelle benötigt der Oh! Rabbit 3 AA-Batterien oder -Akkus. Diese kommen in das Batteriefach an der Basis des Vibrators, das wasserdicht verschraubt werden kann, womit dann der ganze Vibrator wasserdicht ist. Auf dem Batteriefach befindet sich die Bedieneinheit mit vier Knöpfen: ein Knopf ist für den Klitoris-Vibrator, der im Bauch des Häschens steckt und die Ohren zum Schlackern bringt; die anderen drei Knöpfe dienen dazu, die Rotation im Schaft zu steuern. Einer startet und beschleunigt sie, der andere verlangsamt und beendet sie. Durch längeres Drücken des Vibrator-Knopfes schaltet man das ganze Gerät aus. Abgesehen davon kann man die Intensität beider Komponenten unabhängig voneinander regeln.

Der vaginale Teil des Oh! Rabbits vibriert nicht. Für Stimulation sorgt an diesem Ende die Rotation des Schaftes und das Perlenkarussell in dessen Mitte. Die Spitze der Eichel beschreibt einen Kreis von ca. 1 cm Durchmesser, den ich durch vorsichtiges Verbiegen etwas vergößert habe. Haben die Eichel und der Schaft mit 3,7 bzw. 3,2 Zentimetern einen noch moderaten Durchmesser, ist das Perlenkarussel über 4 cm dick und sicherlich für viele nicht ohne weiteres einführbar. Die Kugeln sind im Gegensatz zu den meisten anderen dieser Vibratoren nicht frei flottierende Kunststoff-Kügelchen, sondern aus Metall und in sechs Dreiergruppen auf nach außen gebogenen unnachgiebigen Stahlstäben angeordnet.

Von der Batteriefachkappe bis zur Eichelspitze ist der ganze Oh! Rabbit 25 cm lang. Einführbar sind davon ca. 12 cm.

Es ist lange her, dass ich einen derartigen Jelly-Vibrator in der Hand hatte, aber ich meine mich zu erinnern, dass das Material wesentlich weicher war als das des Oh! Rabbit. Das dezent mattierte Silikon ist sehr fest und gibt auf Druck nur wenig nach. Das hat natürlich einen Einfluss auf die Beweglichkeit des Bunny, der sehr großflächig mit dem Schaft verbunden ist und sich daher nur widerstrebend zurückbeugt, wenn ich den vaginalen Teil tiefer einführe.
Vorteilhaft ist wiederum, dass das festere Silikon die Vibration sehr gut bis in die Spitze der Bunny-Öhrchen überträgt. Der Vibrator im Häschen verfügt über 3 Stufen kontinuierlicher Vibration und vier Intervallprogramme. Die Vibration ist recht kräftig, wenn auch tendenziell auf der feinschlägig-summenden Seite des Spektrums angesiedelt.

Erfahrungen mit dem Oh! Rabbit

Oh! Rabbit, Batterie-KompartmentTrotz des weit verbreiteten Passformen-Problems, das leider auch zwischen mir und dem Oh! Rabbit steht, mag ich ihn – wenn auch mit einer Art Hassliebe. Er hat mir allerdings einige Geduld, Verrenkungen und Übung abverlangt, bis ich sagen konnte: „Heureka!“, aber das kommt mitunter bei den besten Toys vor. Was ich sehr mag, ist der rotierende Schaft und das Perlenkarussell.
Ich mag es so sehr, dass ich mir wünsche, es gäbe diesen Vibrator ohne dieses steife, aufdringliche Häschen! Dann würde ich ihn sofort kaufen, weil es wirklich sehr viel Spaß macht, einfach etwas in die Vagina zu stecken und ganz gegen meine Gewohnheit beinahe passiv zu warten, was so passiert.

Der Schaft erlaubt zwei Arten der Stimulation, beide gefallen mir sehr gut und waren für mich eine echte Neuentdeckung:

Ich erreiche zum Einen eine sanfte, aber deutliche G-Punkt-Stimulation, wenn ich den Schaft nur ein Stück weit einführe und ihn ziemlich weit nach hinten neige. In diesem Neigungswinkel drücken die Perlen gegen den Damm, was zusätzlich nett ist. Wenn man Glück hat und die Klitoris in der richtigen Position ist, kann man die Bunny-Öhrchen daran legen. Bei mir klappt das recht gut, und wenn in meiner Vagina action ist, reichen mir die Vibrationen der ersten Stufe, die noch verhältnismäßig grob sind, meistens aus.
Ich kann mitunter ganz gut davon kommen. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, denn es macht einfach Spaß, mit dieser Dreipunkt-Stimulation etwas zu spielen, z.B. ein bisschen zu ficken oder den Vibrator etwas hin und her zu drehen und dabei die Bunny-Ohren über die Klitoris gleiten zu lassen. Das dann irgendwann zappelig ersehnte Finale besorgt notfalls ein anderes Helferlein.

Als andere Variante hat sich bewährt, den Schaft so weit einzuführen, dass das Perlenkarussell knapp hinter dem Schambein am G-Punkt liegt und die Spitze in der Cervix-Gegend herumkreist. Das finde ich wirklich sehr, sehr lecker!!!
Leider, leider, leider! ist aber dieses baknackte Häschen mit von der Partie und lässt sich nur sehr schwer davon abbringen. Es aus dem Weg zu räumen ist aber nötig, wenn ich die vaginale Stimulation genießen will. Denn wenn ich es nicht mit einem einigermaßen großem Kraftaufwand nach hinten biege, summen die Ohren irritierend in der Venushügel-Vegetation herum, während der Kopf sich beharrlich weigert, sich in eine irgendwie brauchbare oder auch nur schmerzlose Position zu fügen. Der Traum von einer einhändigen Doppelstimulation ist so leider ausgeträumt, und ich erreiche stattdessen eine beidhändige Einfachstimulation – was sicherlich nicht ganz im Sinne des Erfinders war.

Was gibt es sonst noch?

Oh! Rabbit, DraufsichtBei Druck auf die Silikonhülle reagiert das Perlenkarussell mit unwirschen Kreisch-Quietschgeräuschen. Deshalb trage ich Sensibelchen gern Ohropax, wenn ich den Oh! Rabbit benutze – im Gegensatz zu Anderem ein lohnender Aufwand.

Ich finde den Vibrator insgesamt zu lang. Da ich ihn, wenn ich ihn nur wenig einführe sehr weit nach hinten neigen muss, um den G-Punkt zu treffen, ist das Bedienen und Festhalten aufgrund der Länge selbst in einer halb aufrechten Position etwas problematisch – und ich bin schon ein vergleichsweise langarmiges Wesen!

Die Batterien – ich benutze eneloop-Akkus von Sanyo – halten scheinbar ewig, was mich angesichts der Kraft der Rotation wirklich überrascht. Sie ist so stark, dass sie sich kaum verlangsamt, wenn ich Druck auf das Perlenkarussell bringe. Mit den Beckenboden-Muskeln gelingt es mir nicht, sie aufzuhalten.

Fazit

Insgesamt ist mein Verhältnis zum Oh! Rabbit ambivalent, denn wie gesagt, gerade das Rabbithafte stört mich: der Klitoris-Stimulator.
So wie er sich bei mir ausmacht, ist er mal wieder ein schlagendes Argument für stimmige Einzel-Anschaffungen: ein ordentlicher Dildo oder Vibrator für die Vagina und ein Vibrator für die Klitoris – denn zwei voneinander unabhängige Spielzeuge versprechen vielfältige Einsatzmöglichkeiten und eine einfachere sowie genauere Abstimmung der Stimulation auf die eigenen Bedürfnisse.

Allein als rotierenden Perlen-Dildo würde ich den Oh! Rabbit trotz Überlänge und Geräuschkulisse sehr mögen – ohne diese beiden Mängel natürlich noch mehr. Es ist mir ein Rätsel, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, so etwas anzubieten! Oder habe ich das bisher etwa verpasst?

Der Lovehoney Oh! Rabbit in Kürze

Oh! Rabbit, Vibrator, Lovehoney, ErfahrungenPro: Ein klassischer Perlen-Rabbit aus Silikon ist bislang eine Seltenheit! Ungewöhnliche Stimulation durch rotierenden Schaft und starres Perlenkarussell. Wirkt robust. Recht kräftige Vibration im Bunny-Klitorisstimulator, die sich gut auf Ohren überträgt. Energieeffizient. Funktioniert gut mit Akkus. Wasserdicht.

Contra: Klitoris-Stimulator passt mir nicht – die Passform ist bei Rabbits immer ein großes Risiko! Der Klitorisstimulator ist zu steif mit dem Schaft verbunden. Rotationsradius der Spitze könnte größer sein oder die Spitze stärker auf den G-Punkt hin ausgeformt – oder beides. Zu lang. Quietschgeräusch bei Druck auf den Perlenteil.

Hier ist ein Werbefilmchen, wo man sehen kann, wie er rotiert und vibriert.

Material: Silikon, ABS

Längenmaße: insgesamt: 25 cm; einführbare Länge ca. 12 cm;  Länge von der Spitze bis zu den Perlen: ca. 8 cm; Bunny: 3 cm vom Schaft bis zur Nase – im abgespreiztem Zustand: > 4 cm, weil sich die Silikonhaut des Schaftes dehnt;  Bunny-Ohren: 2,5 cm

Durchmesser: Eichel: max. 3,7; Schaft über den Perlen: 3,2 cm; Perlenkarussell max. 4,3 cm

Gleitgel: wasserbasiert

Reinigung und Pflege: Reinigung mit warmem Wasser und Spüli/Seife; evtl. eine weiche Bürste für die Rille an der Eichel; Desinfektion mit Toycleaner.

Verpackung und Lieferumfang: Plastikblister in weiß-pink gestaltetem Pappkarton mit Bild des Vibrators; englischsprachige Gebrauchsanleitung; (Batterien/Akkus sind nicht enthalten)

Alternativen

Für diejenigen, die trotz des Passform-Risikos nach einem einem Silikon-Perlen-Rabbit lechzen, sich aber den Umfang des großen Perlenkarussels nicht zutrauen, kommt vielleicht der Slimline Oh! Rabbit oder G-Spot Oh! Rabbit in Betracht.

Vielen Dank an Lovehoney, die mir den Oh! Rabbit zum Testen zur Verfügung gestellt haben.

  1. Ich weiß nicht genau, warum diese Dinger „Rabbit“-Vibratoren heißen. Mag sein, dass ursprünglich immer ein Häschen als Klitorisstimulator fungierte und dieses als pars pro toto der Namensgeber ist. Es kann aber auch sein, dass die zwei Teile des Vibrators – der für die Vagina und der für die Klitoris als zwei Ohren eines Kaninchens vorgestellt werden. Wie auch immer: unter “Rabbit” versteht man in der Sexspielzeugwelt gemeinhin Letzteres, und ein Rabbit bleibt ein Rabbit, auch wenn der Klitoris-Teil nach Delfin, Schmetterling, oder völlig abstrakt aussieht.  Zurück zum Text
  2. =mit schädlichen Weichmachern (Phthalaten) versetztes PVC  Zurück zum Text

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