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njoy: Pure Wand / Testbericht

Der G-Punkt-Gott im Dildo-Olymp

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass eine Frau im Besitz eines schönen G-Punktes nichts dringender braucht als einen perfekten G-Punkt-Dildo. Immer wieder wird der Pure Wand – gewissermaßen das Flaggschiff der auf wirklich zum Umfallen schöne Edelstahlspielzeuge spezialisierten Firma njoy – hierfür als der Top-Favorit gehandelt, was nicht nur, aber auch daran liegt, dass die meisten Bloggerinnen sich in Apotheosen und Hymnen an diesen Dildo zu übertreffen suchen: „the holy grail of sex toys“, “this toy is a g-spot god” etc. etc.1

Ginge es um pure Schönheit2 – der njoy Pure Wand hätte in meinen Augen auf jeden Fall den ersten Platz im Dildo-Olymp verdient, denn er ist einfach vollkommen. An seine Makellosigkeit, Schlichtheit und Eleganz reicht wohl kaum ein Anderer heran.

Es handelt sich beim Pure Wand um einen C-förmig gebogenen Stab aus massivem Edelstahl, dessen Enden 2,6 bzw. 3,8 cm dicke Kugeln zieren. Würde man ein Rechteck um ihn ziehen, wäre dieses 20 x 8,5 cm groß. Die Außenseite ist vollkommen ebenmäßig, und zur Innenseite hin wölben sich die beiden Kugeln. Der Stahl hat einen satten, klaren Glanz. Außerdem kommt er in einer schönen schwarzen Kiste daher, worin er in ein – nun ja – Styroporpolster gebettet liegt, das mit gediegen pinkfarbenem Satin überzogen ist. Alles macht einen edlen und den über 100 Flocken, die man dafür gewöhnlich aufbringen muss, angemessenen Eindruck.

Doch er wäre natürlich trotz aller Augenschmaus-Tauglichkeit ein für mich untauglicher Dildo, wenn er mir ansonsten nichts zu bieten hätte. Und da beginne ich, die Dinge etwas differenzierter zu sehen, und vor allem zu spüren, als dass ich mich vorbehaltlos obigen Zitaten anschließen könnte.

G-Punkt-Stimulation mit dem Pure Wand – ein gewichtiges Unterfangen!

pure wand, njoyDen Pure Wand kann man sowohl als Prostata- als auch als G-Punkt-Stimulator verwenden. Generell ist er für anale Spielchen natürlich sehr gut geeignet – allein schon wegen seiner Form und Glätte, aber nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich sehr leicht sterilisieren lässt und keine unangenehmen Gerüche annimmt. Ich selbst benutze ihn allerdings nur vaginal und auch in diesem Testbericht soll seine Funktion – und in erster Linie die Funktion der größeren Kugel – als Heiliger G-Punkt-Gral im Mittelpunkt stehen.

In dieser Hinsicht gilt es zunächst einmal anzuerkennen: Die gebogene Form in Verbindung mit der größeren Kugel bringt es mit sich, dass den G-Punkt damit zu verfehlen ein Kunststück ist, das zu vollbringen sicherlich nur sehr wenige Frauen dauerhaft fähig sein dürften. Aber etwas zu treffen bedeutet ja leider noch nicht, es optimal zu stimulieren. Es gehört also die richtige Technik her. Und die findet am besten jede Frau für sich selbst heraus; manche ficken recht konventionell mit mehr oder minder kleinen Stößen vor sich hin, andere lassen die Kugel gegen die vordere Scheidenwand kreisen oder vollführen Wippbewegungen, wieder andere drücken den Dildo fest gegen den G-Punkt und bewegen ihn dann in kleinen Bewegungen vor und zurück oder nutzen allein konstanten Druck in Verbindung mit einem Klitoris-Vibrator – wie auch immer: Ein Orgasmus ist ein nützliches Indiz, wenn  man wissen will, ob man es richtig macht.

Besser bewährt als die Rückenlage, die eigentlich meine bevorzugte Masturbations-Position ist, hat sich für mich und das Gewicht des Pure Wand eine halb sitzende Position mit angestellten Beinen und angelehntem Rücken. In dieser Lage reicht die Länge meiner Arme aus, um den Dildo bequem mit meiner Faust (Fingerspitzen zu mir) zu umschließen, den Daumen als Widerlager für die kleine Kugel zu benutzen und kreisende Bewegungen auszuführen: die Kugel druckvoll hinter dem Schambein über den G-Punkt nach hinten gleiten lassen und ohne Druck wieder nach vorn ziehen. Je nach Lust und zyklusabhängiger Empfindlichkeit lasse ich den Pure Wand auch über die ganze vordere Vaginalwand bis zum Muttermund gleiten. Dabei mag ich das Gefühl von intensiver Stimulation einerseits und Entspanntheit des Scheideneingangs sehr gern.
Mit dem Pure Wand so in der Faust kann ich recht lange kraftvoll stimulieren. Und es ist sicherlich auch eine gute Möglichkeit für alle, die ansonsten Schwierigkeiten haben, diesen 680 g schweren G-Punkt-Gott ausdauernd und gewinnbringend zu wuchten – selbst dann, wenn sie, wie ich im letzten Jahr, mit einem Tennis- oder Mausellenbogen ansitzen.

Das Frustrationspotential des Pure Wand

Njoy, Pure Wand, DildoEs läuft also prima mit dem Pure Wand, wenn ich ein paar Dinge beachte. Doch es lief nicht immer so gut! Auch wennich es inzwischen nicht mehr ganz nachvollziehen kann, ich weiß noch, dass ich anfangs sehr abgetörnt war von diesem Dildo. Und wenn ich ehrlich sein soll: eigentlich hat ihn nur seine Schönheit davor bewahrt, recht schnell den Besitzer zu wechseln. Denn die Wirkung war enorm, aber nicht in jeder Hinsicht sonderlich erfreulich, weil ich mich entweder irgendwie zu ungeschickt anstellte oder meine und die Anatomie des Pure Wand nicht so restlos kompatibel sind – wahrscheinlich beides.
Es ist auf jeden Fall diesen beiden Faktoren zuzuschreiben, dass ich unbedingt schon recht erregt sein muss, bevor der Pure Wand zur Anwendung kommt. Ich brauche ein paar ‚erektile Pölsterchen‘ am Schambein, um mir nicht alle Nase lang die Harnröhre zwischen dem harten Dildo und dem ja ebenfalls nicht für sonderlich große Nachgiebigkeit bekanntem Schambein zu quetschen. Der Pure Wand hat nämlich, wie Ihr sicher seht, einen sehr deutlich vom Schaft abgesetzten Kugelkopf – und in dem ca. 130°-Winkel fängt sich leicht mal beim Rein-Raus das Schambein und dann tut es ziemlich weh.

Allen, denen es mit dem Pure Wand oder einem anderen Dildo ähnlich geht, empfehle ich, sich wirklich vorsichtig an die Grenzen heranzutasten und evtl. auch auszuprobieren, den Dildo eher vom Schambein weg als darauf hin zu bewegen. Und, wie gesagt, für mich hat sich ein kleines penetratives und evt. auch klitorales Aufwärmprogramm, bis der G-Punkt ‚reif‘ ist, bewährt.

Was bleibt sonst noch zu sagen?

Pure Wand, njoyViele propagieren den Pure Wand auch als das Werkzeug zum Squirten und Squirten-Lernen. Ich habe den Eindruck, dass man es damit tatsächlich lernen kann, wenn man es konsequent darauf anlegt. Bei mir passiert in dieser Hinsicht nicht viel, aber ich setze ehrlich gesagt auch nicht allzu viel Ehrgeiz in diese Angelegenheit. Allerdings habe ich hin und wieder das Gefühl, dass etwas kommen könnte. Aber ich glaube, ich bin vielleicht doch etwas zu kontrolliert und grüble vielleicht auch zu viel darüber nach, ob meine Haftpflichtversicherung auch Wasserschäden abdeckt.

Wenn Ihr auf Kälte steht, könnt Ihr den – auch bei Zimmertemperatur schon ordentlich kalten – Pure Wand im Kühlschrank (nicht im Eisfach!!!) zusätzlich kühlen. Mögt Ihr es eher warm, haltet ihn kurz unter warmes Wasser – nicht zu heiß, denn es dauert u.U. eeeeewig, bis er wieder auf erträgliche Temperatur abkühlt! Auch ihn rechtzeitig mit unter die Bettdecke zu nehmen, temperiert ihn irgendwann recht erträglich bis angenehm.

Da kein Sexspielzeug jemals allen Frauen gleichermaßen gut passt, würde ich den Pure Wand nicht vorbehaltlos empfehlen. Ich selbst mag ihn sehr gern, aber greife trotzdem da, wo er gut passen würde, oft zu anderen Sachen – sei es, weil ich keine Lust habe, die Horizontale zu verlassen, weil ich keine Lust habe, aufzustehen (zum warmen Wasserhahn) oder weil ich keine Lust auf sowas Hartes, Glattes habe. Erstrecht würde ich ihn nicht für Sexspielzeug- oder G-Punkt-Einsteigerinnen empfehlen – nicht, weil ich nicht von seinen G-Punkt-Qualitäten überzeugt wäre, sondern vor allem deshalb, weil es eine ganze Stange Geld ist, die man zum Fenster herausgeworfen hat, wenn er dauerhaft nicht gefällt.

Der njoy Pure Wand in Kürze

njoy pure wand, dildoPro: ausgeprägte G-Punkt-Kurve und großer Kopf für ergonomische Stimulation; gut für Temperaturspiele geeignet; man braucht wenig bis gar kein Gleitgel (ich würde aber trotzdem welches benutzen – ist schöner, finde ich); zum Umfallen schön!

Contra: je nach Anatomie, Übung und Technik: ein Schambeinkiller und Harnröhrenquetscher; sehr schwer und kalt

Maße: 20 x 8 cm; Durchmesser Schaft: 1,3 – 2,5 cm; Durchmesser Kugeln: 2,6 und 3,8 cm

Gewicht: 680 g

Material: medizinischer Edelstahl

Gleitgel: mit jedem Gleitgel verwendbar

Reinigung und Pflege:  Waschen mit warmem Wasser, Seife oder Spüli, Aufbewahrung: ich empfehle eine Tüte, einen Stoffbeutel oder die Originalverpackung zum Schutz vor Kratzern; Desinfektion mit Toycleaner oder durch 3-4 min. kochen.

Verpackung: matt-schwarze Kiste, darin ein mit pinkfarbenem Satin überzogenes Polster, in das der Pure Wand wie ein Juwel gebettet ist. Eignet sich gut zum Aufbewahren des Dildos.

Alternativen zum njoy Pure Wand

Es gibt von vielen njoy-Produkten mittlerweile mehr oder minder gelungene Plagiate, die zwar längst nicht so schön aussehen, aber teilweise um die Hälfte billiger sind. Glaube, einige sind Teil der Metal Worx-Reihe von Pipedream und bei anderen konnte ich die Marke nicht eruieren. Wenn man aber bedenkt, dass man an einem Edelstahldildo lebenslang – oder zumindest bis einen die Gicht packt – sein Vergnügen haben kann, sollte man zur Vervollkommnung des andauernden Wohlgefallens lieber zum Original greifen, finde ich.

Als eine sehr gute Alternative (oder auch Ergänzung) für diejenigen, denen der Pure Wand zu kalt, zu teuer, zu glatt und zu schwer ist, würde ich den ganz ähnlich geformten Key Comet von Jopen empfehlen, einen mit mattem Silikon überzogenen Glasdildo, der nur 260 g wiegt und damit etwa 420 g leichter ist als der Pure Wand. Mittlerweile gibt es auch den Comet 2 – das ist das Gleiche ohne Glas, dafür mit Vibrator. Ich nutze den Comet oft lieber als den Pure Wand: durch den Reibungswiderstand ist die Stimulation intensiver, und die Dildo-Schambein-Kollisionsgefahr ist stark herabgesetzt.

Für die G-Punkt-Ersterkundung würde ich allezeit den Ella von Lelo empfehlen.

Für anale Spielereien gibt es für diejenigen, die nur die kleine Kugel nutzen wollen, von njoy den Fun Wand, der zusätzlich noch eine Art ‘Analkette’ aufweist.

  1. Es gibt freilich auch anderslautende Stimmen  Zurück zum Text
  2. Für die Fotos habe ich die Bildbände “Karl Blossfeldt. Fotografie”, hg. von Ann und Jürgen Wilde aus dem Cantz-Verlag sowie “Karl Blossfeldt. Urformen der Kunst. Wundergarten der Natur. Das fotografische Werk in einem Band” aus dem Verlag Schirmer/Mosel verwendet  Zurück zum Text

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